Überblick über das Handlesen (Chiromantie)

Das Handlesen besteht im Grunde aus mehreren recht verschiedenen Disziplinen:

  1. Konstitutionslesung (Handtypus, Muskulatur)
  2. Medizinische Diagnose
  3. Dermatoglyphie (Daktyloskopie, Fingerabdrücke)
  4. Bewegungslesung
  5. Liniendeutung
  6. Deutung der kinesiologischen Reaktionen (Gedankenlesen)
  7. Bilderlesung (psychische Lesung)

Der einzelne Handleser wird sich seinen persönlichen Neigungen und Fähigkeiten entsprechend spezialisiert haben.

  1. Die Konstitutionslesung bezieht sich auf die Typenbestimmung und ist grundlegend. Es dreht sich im Prinzip darum, ein Rennpferd von einem Arbeitspferd unterscheiden zu können. Der Körpertypus (und somit auch der Handtypus) erzählt über Entfaltungsmöglichkeiten und -begrenzungen. Es besteht ja immerhin ein Unterschied zwischen einem Schwergewichtsboxer und einem Tänzer.
    Es geht um genetisch festgelegte Verhältnisse, die von überwältigender Bedeutung sind. Eine Katze ist eine Katze, ein Hund ist ein Hund, - eine Diskussion des freien Willens wäre auf dieser Deutungsebene absurd.
    Die Muskulatur wird berücksichtigt (Energie- und Vitalitätszustand, Art der Arbeit/Leistung), sie ändert sich jedoch im Laufe des Lebens und kann als Barometer gesehen werden.

  2. Medizinische Diagnosen können nur von demjenigen gemacht werden, der bereits einen meidizinischen Hintergrund hat, und gehören nicht zu unseren Spezialgebieten.
    Seit dem Altertum bekannt sind die Nageldiagnosen, die anhand der Form und Beschaffenheit des Nagels gemacht werden. Die Nägel spiegeln den Stoffwechsel und wachsen - je nach Alter, Gesundheitszustand und Jahreszeit - im Laufe von 3-6 Monaten aus. Somit können sie auch in der Zeitmessung mitberücksichtigt werden.
    Die Papillarleisten (die Fingerabdrücke und die feinen Rillen in der Handfläche) verraten genetische Anlagen für verschiedene Dysfunktionen/Krankheiten (Chromosomenverhältnisse). Diese Muster sind in ihrer Struktur unveränderlich, können aber in verschiedener Weise "kaputt gehen" und dadurch über den Gesundheitszustand Auskunft geben.
    Auch die Handlinien erzählen über Krankheitsanfälligkeiten.

  3. Dermatoglyphie (derma=Haut, glyph=Zeichen) ist die wissenschaftliche Bezeichnung der Papillarleisten in der Handfläche und an den Fingern. Am bekanntesten sind die Fingerabdrücke, die ja verschieden sind, und somit als Identifikation benutzt werden.
    Diese Rillen dürfen nicht mit den klassischen Linien verwechselt werden, die veränderlich sind und seit jeher von den Handlesern gedeutet wurden. Seit 150 Jahren wird auf diesem Gebiet wissenschaftliche Forschung betrieben (genetisch bedingte Verhältnisse). In den letzten Jahren wurde die Forschung auf psychologische Veranlagungen erweitert. Die moderne Technologie (Computer, Scanner) ermöglicht heute schnelle Kategorisierung, Analyse, Musteridentifikation etc.

  4. Die Bewegungslesung (Gesten, "Einlegungen") wird von vielen Handlesern beachtet, um die unmittelbare Situation zu erfassen. Ein guter Handleser ist imstande zu sehen, was sich zur Zeit im Leben seines Klienten abspielt - zuweilen sogar mit vielen Details.

  5. Die Liniendeutung ist das, was allgemein als klassisches Handlesen verstanden wird. Der Handleser kann hier wichtige biographische Einzelheiten erfassen, u.a. die Bedeutung der Kindheit und der Familienverhältnisse. Die Kombination von Handtypus und Linienbild ergibt ein sehr präzises Bild vom Wesen und Leben des Betreffenden.
    Die Linien verändern sich im Laufe des Lebens, und sind deshalb für langfristige Prognosen ungeeignet. Sie können aber wichtige Hinweise geben, worauf der Betreffende besonders achten sollte (Gesundheit, Psychologie).
    In Handabdrücken auf Papier sind die Linien deutlich sichtbar. Wenn ab und zu neue Handabdrücke gemacht werden, wird man die Linienveränderungen feststellen können. Bei Kindern und jungen Menschen können sich die Linien innerhalb weniger Wochen verändern, ab Alterstufe 25-30 dauert der Veränderungsprozess wesentlich länger.
    Im Fall von Schock oder Krankheit werden sie sich allerdings im Laufe weniger Tage dramatisch verändern können.

  6. Die kinesiologischen Reaktionen der Hand (kleine Bewegungen und Farbenwechsel) während des Handlesens, geben dem Handleser sehr wichtige Informationen über die unmittelbare Situation und über die unbewusste Einstellung. Dies könnte auch als "Gedankenlesen" bezeichnet werden. Der aufmerksame und intuitive Handleser wird Aussagen machen können, wie wenn er hellsichtig wäre.

  7. Die Bilderlesung ist eine faszinierende Disziplin, die allerdings nur hellsichtig begabten Handlesern zugänglich ist. Während der Beobachtung der Hände erscheinen diesen Handlesern verschiedene Bilder. Manchmal sind die Bilder mit den bestehenden Linien verbunden, manchmal liegen sie "nur in der Oberfläche". Die Bilder, die von einem Handleser gesehen und gedeutet werden, sind nicht unbedingt für einen anderen Handleser sichtbar, der gleichzeitig die Hände beobachtet.
    Diese Bilder sind nur selten in Handabdrücken (Papier) zu sehen - es dreht sich hier eher um eine psychische Lesung.