Die Bewegung des Götterboten
Louise Kirsebom und Johan Hjelmborg: «Merkur. Wesensglieder und Gestalten», 118 S., zahlr. Abb., A4, Pb., DM 35.–; sFr. 32.–; ÖS 256.–
Bezug: Astrodata Versandbuchhandlung, PF, CH-8047 Zürich
E-Mail: bookshop@astrodata.ch

«Überall, wo sich etwas bewegt oder verändert, ist Merkur im Spiel, sei es im Körper, im Geist, in der Seele oder draussen.» Mit diesem Satz beginnt dieses Buch über den Planeten Merkur von Louise Kirsebom und Johan Hjelmborg. Während ich diese Buchbesprechung schreibe, bin ich mit diesem Planetenprinzip beschäftigt – und auch Sie, liebe Leserin, lieber Leser, lassen Merkur arbeiten, indem Sie diese Zeilen lesen. In wievielen Momenten ich Merkur einsetze und was für eine zentrale Bedeutung er für mich in meinem Leben darstellt, wurde mir erst nach der Auseinandersetzung mit der vorliegenden Publikation so richtig bewusst.

In der Einleitung wird darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, einen Planeten nicht nur als sein Körper zu sehen, sondern ihn zugleich auch als eine Gestalt eines Zeit- und Bewegungsmusters wahrzunehmen. Diese Tatsache wird am Schluss dieses Buches mit der Bildephemeride des Merkur von 1894 bis 2051 sehr anschaulich verdeutlicht. Die Bewegungen des «Götterboten» ergeben zyklische Muster, die mich an Mandalas erinnern, und es ist faszinierend, diese in Form von Bildern zu betrachten.

Merkur zieht seine Bahnen. Er wird dreimal im Jahr rückläufig und dreimal im Jahr direktläufig, wobei wir nach einem veröffentlichten Briefwechsel und der Frage «Wer ist Merkur?» bereits beim nächsten Kapitel: «Merkur hin und zurück», angelangt sind. In diesem Kapitel erläutern die Autoren sehr ausführlich den Zyklus von Merkur, wobei sie auch hier mit zahlreichen Abbildungen das Auge nicht zu kurz kommen lassen. Zusammen mit den ausführlichen Erklärungen zeigen diese sehr schön, welche Stationen Merkur durchläuft und in welchen Prozess wir selber eingebunden sind.

Wer nun glaubt, dieses Buch sei ob all den Begriffen wie «Zyklen», «Stationen» oder «Reaktivierung» eine trockene Materie, hat weit gefehlt. Mit der Form, in der dieses Buch aufgebaut ist, gelingt es den Autoren, jeglicher Langeweile und Monotonie etwas entgegenzusetzen. Nicht zuletzt tragen die unzähligen, aus dem Leben gegriffenen Geschichten und praktischen Beispiele zur Abwechslung bei. Im Kapitel «Tagebuch» etwa werden konkret erlebte und analysierte Beispiele nicht nur aus der eigenen Praxis der Autoren, sondern auch aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft eingeflochten. Wir Astrologen können ausserdem nicht nur einiges über Merkur, sondern auch über die Augenblicksastrologie erfahren. Die angeführten Beispiele werden nämlich nach der bekannten und bewährten Regel der Augenblicksastrologie interpretiert, die besagt, dass für den Astrologen jener Moment entscheidend ist, in dem er die Frage des Ratsuchenden erhält beziehungsweise versteht. Diesem Augenblick kommt – auch in Bezug auf die Merkur-Stellung – astrologisch gesehen eine entscheidende Bedeutung zu.

Dieses Buch ist für Menschen gedacht, die daran interessiert sind, einen Blick in eine neue Dimension zu werfen, um so ihr Spektrum zu erweitern. Wer allerdings nach einem Buch mit einer Aufzählung von Eigenschaften für zum Beispiel Merkur in Waage im dritten Hause sucht, für den wird die vorliegende Veröffentlichung nicht das Richtige sein. Mit diesem Buch ist es den Autoren gelungen, einen Schritt weiter zu gehen und uns auf eine umfassendere Art anzusprechen. Wie oben, so unten. Wir Menschen gehen unseren Weg auf der Erde, und wenn wir einen Blick nach oben werfen, sehen wir Merkur, der seine Bahn am Himmel zieht. Nehmen Sie sich die Zeit, aktivieren Sie Ihren Merkur, lesen Sie dieses Buch. Es wird sich auf jeden Fall lohnen.

–Susanne Koller

Lesen Sie auch die Rezension von Mona Riegger


home menu